Beschälseuche

Die Beschälseuche (sog. "Dourine")  ist eine ansteckende, langsam verlaufende Geschlechtskrankheit der Pferde und Esel. Sie zählt zu den anzeigepflichtigen Tierseuchen und unterliegt strengen Maßnahmen im Falle eines solchen Seuchenausbruchs. Die Krankheit wird über den parasitischen Einzeller "Trypanosoma equiperdum" hervorgerufen, dessen Übertragung durch den Deckakt erfolgt. Krankheitserscheinungen können bereits eine Woche, oder erst mehrere Monate nach der Ansteckung sichtbar werden. Die Krankheit kann still oder in mehreren Phasen verlaufen, dabei kommt es u.a. zu Schwellungen auf Schleimhäuten und der behaarten Haut, Quaddelbildung und Muskelschwund. Im südost- und osteuropäischen Raum tritt die Krankheit endemisch auf.
In Deutschland trat der letzte Fall der Beschälseuche 2002 auf nach jahrzehntelanger Seuchenfreiheit. Die Seuche gilt in Deutschland aktuell als getiligt, das bedeutet seuchenfrei. Nachweislich erkrankte Tiere werden zur Vermeidung eines Seuchenausbruchs getötet.



Welche Ursachen hat eine Beschälseuche?

Die Krankheit wird durch den einzelligen Parasiten "Trypanosoma brucei equiperdum" hervorgerufen. Der Erreger war ursprünglich weltweit verbreitet, ist allerdings durch staatliche Bekämpfungsmaßnahmen u.a. in Mittel- und Westeuropa getilgt., d.h. es gilt Seuchenfreiheit. In Teilen von Afrika (u.a. Äthiopien, Namibia, Botswana, Südafrika), im nahen und mittleren Osten, in Asien (u.a. Pakistan), sowie in Südamerika kommt der Erreger immernoch vor.
Natürliche Infektionen sind nur bei Equiden (Pferde und Esel) festgestellt worden, andere Säugetiere infizieren sich in der Natur nicht. Trypanosoma brucei equiperdum wird ausschließlich über den Deckakt übertragen. Der Erreger ist im Wesentlichen ein Gewebeparasit, der zunächst auf der Genitalschleimhaut lebt und anschließend in die Lymphe und in das Blutplasma übergeht. Danach kann er sehr lange, d.h. monate- bis jahrelang, innerhalb der Zellen im Gewebe überleben und in manchen Fällen auch die Gehirn- und Rückenmarksflüssigkeit befallen.

Wie wird Beschälseuche diagnostiziert?

Der Nachweis von Trypanosoma brucei equiperdum erfolgt meist durch Antikörpernachweis im Blutserum. Dies wird in der Regel (in manchen Ländern staatlich vorgeschrieben) über die sogenannte Komplementbindungsreaktion (KBR) gemacht. Bei dieser Reaktion werden die Komplementfaktoren (bestimmte Faktoren im Blut) genutzt, um die Menge an Antikörpern im Blutserum festzustellen und somit auf eine mögliche Infektion rückzuschließen. Es gibt weitere Möglichkeiten den Erreger festzustellen. Der ELISA ( enzyme linked immunosorbent assay) ist ein sehr sensibler Test zur Erhebung von Antikörper- oder Antigenkonzentrationen im Blut. Der mikroskopische Nachweis von T.b. equiperdum in Flüssigkeit aus den Quaddeln oder in Abstrichen der Genitalschleimhäute gelingt nur selten. Eine Ploymerasekettenreaktion (PCR) kann aus den Genitalsekreten (Vagina, Euter, Vorhaut, Sperma), Blut und Nervenwasser angewendet werden.

Welche Symptome hat ein Pferd mit Beschälseuche?

Das Erkennen der Krankheit ist nicht leicht, da es mehrere Differentialdiagnosen gibt, das heißt Krankheiten mit denen die Beschälseuche verwechselt werden kann. So muss die Beschälseuche von der Pferdepest, Milzbrand und weiteren mit Schwellungen und Hautveränderungen einhergehenden, fieberhaften Erkrankungen abgegrenzt werden.
Erste Hinweise beim Hengst sind eine Schwellung des Penis im vorderen Teil, Ausfluss aus der Harnröhre, Harndrang und ein erhöhter Geschlechtstrieb. Bei der Stute zeigen sich eine Schwellung der Scheide mit Ausfluss, Harndrang und Rossigkeit. Außerdem bilden sich weiße Flecken (Krötenflecke) an den Geschlechtsorganen und Quaddeln in der Haut (Talerflecke), vor allem an Hals, Schulter, Unterbrust und Kruppe. Ein unsicherer Gang und Lähmungserscheinungen begleiten diese Symptome.

Wie lange ist die Inkubationszeit?

Die Inkubationszeit beträgt 2 bis 12, bzw. unter Umständen bis zu 26 Wochen. Daher ist es nicht leicht die Krankheit zu diagnostizieren.

Wie wird Beschälseuche behandelt?

Zum Schutz der gesamten Equidenpopulation unterliegt die Beschälseuche dem Tiergesundheitsgesetz (TierGesG), dem Gesetz zur Vorbeugung vor und Bekämpfung von Tierseuchen. Die Erkrankung zählt zu den anzeigepflichtigen Tierseuchen und unterliegt strengen Auflagen im Falle eines Seuchenausbruchs/- falls. Zur Verhütung der Einschleppung aus Endemiegebieten unterliegt der Pferdeverkehr in den einzelnen Ländern besonderen Vorschriften, die auch eine Untersuchungspflicht für Pferde aus bestimmten Gebieten einschließt.
Bei Ausbrüchen gibt es spezielle Vorschriften, die Quarantänemaßnahmen, Zuchtausschluss von verdächtigen Tieren und die Elimination von nachgewiesen erkrankten Tieren beinhalten. Eine Verabreichung erregerspezifischer Wirkstoffe hat bislang keine ausreichend verlässlichen Behandlungserfolge erzielt.

Wie ist die Dauer und der Verlauf einer Beschälseuche?

Der Verlauf der Krankheit kann sich über ein bis zwei Jahre und länger erstrecken.

Häufig können drei Krankheitsphasen unterschieden werden:

  1. Phase: Vaginalausfluss, Bildung von Knötchen, Bläschen und Wucherungen auf der Schleimhaut von Vagina, Vorhaut und Penis. Später Schwellungen an Schamlippen, Euter, Hodensack, Vorhaut sowie Unterbauch bis Vorderbrust. In manchen Fällen nach Abheilung der Läsionen Bildung weißlicher Flecken (Krötenflecke) durch Pigmentverlust der Haut. Zum Teil niedriges Fieber oder erhöhte Temperatur.
  2. Phase: Meist 4-9 Wochen nach der Infektion treten Quaddeln in der Haut (Talerflecke), besonders an den Flanken, auf- ohne Juckreiz. Diese können einige Stunden, oder auch Tage bestehen bleiben und mehrmals auftreten. In dieser Phase besiedeln die Trypanosomen das Blutplasma.
  3. Phase: Entweder chronische oder nicht sichtbare Infektion mit geringgradiger Blutarmut (Anämie) oder infolge der Schädigung des Knochenmarks und Störung des Gesamtstoffwechsels fortschreitende Verschlechterung des Allgemeinzustandes und Blutarmut.Ist der Liquor betroffen, so endet die Erkrankung immer tödlich. Dabei leidet der Patient an Muskelschwund besonders im Gesäßbereich, schlechter Koordination und Lähmungserscheinungen, die sich zunehmend über den gesamten Körper ausbreiten.

Wann muss mein Pferd eingeschläfert werden?

Im Seuchenfall obliegt es der zuständigen Behörde und dem zuständigen Amtstierarzt, wie im Sinne der Gesetze im Tiergesundheitsgesetz mit einem verdächtigen Tier umgegangen wird. Ist das Tier nachweislich erkrankt an der Beschälseuche, kann die Tötung angeordnet werden.
Für gewöhnlich haben hochvirulente (hochansteckend, gefährlich) Stämme von Trypanosoma brucei equiperdum tödliche Erkrankungen zur Folge, sodass die Prognose für einen betroffenen Equiden infaust (ungünstig, es ist mit dem Tod des Patienten zu rechnen) ist.
Bei weniger virulenten Stämmen kann es zu geringgradigen Erkrankungen oder nicht sichtbaren Krankheiten kommen, die nicht unmittelbar zum Tod führen.

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Was kostet die Behandlung bei Schälseuche?

Die Behandlung ist sehr eingeschränkt, bzw. unmöglich. Im Seuchenfall entstehen je nach Art und Größe des Ausbruchs  Kosten für die vorgeschriebenen Schutzmaßnahmen, welche allerdings nicht direkt vom Tierhalter übernommen werden. Darunter fallen die Einrichtung von geeigneten Quarantänemaßnahmen, die eventuelle Anordnung der Tötung von erkrankten Tieren, deren anschließende vorschriftsmäßige Entsorgung, etc. Eine symptomatische Behandlung eines verdächtigen Tieres, z.B. mit Schmerzmittlen und fiebersenkenden Medikamenten,  liegt im Ermessen des behandelnden Tieerarztes und ist sehr individuell.

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