Bronchitis beim Pferd

Was ist eine Bronchitis beim Pferd?

Die Bronchien sind Teil der größeren verzweigten Atemwege des Pferdes. Beim Atmen gelangt die Luft über die oberen Atemwege und über den Kehlkopf in die Luftröhre. Am Ende der Luftröhre verzweigt sich der Luftweg in die zwei Hauptbronchien, die sich wiederum immer weiter und feiner verästeln. Bei einer Bronchitis handelt es sich um eine Entzündung der Bronchien. Die Bronchitis wird in eine akute und eine chronische Form unterteilt.



Welche Ursachen hat eine Bronchitis?

Die Lunge von Pferden ist sehr empfindlich. Bei vielen Pferden ist die Lunge im Alltag zahlreichen Faktoren ausgesetzt, die keine besonders guten Grundvoraussetzungen schaffen. So führen schlechte Haltungsbedingungen mit zu wenig frischer Luft und Bewegung, Staub aus Einstreu und Futter und Schimmelpilze zu einer hohen Belastung. Kommt es zusätzlich zu einer hohen Ammoniakkonzentration durch fehlende Hygiene beim Misten und einem Parasitenbefall oder Stress, leidet in der Regel früher oder später das Immunsystem. Viren sind häufig die Wegbereiter. Bei einer Infektion mit einem Virus wird der Körper geschwächt und kann nicht mehr so viel entgegen setzen. In vielen Fällen spielen Bakterien als Sekundärinfektion eine wichtige Rolle. Bekommt man die Infektion nicht zügig in den Griff und besteht die Erkrankung über mehrere Wochen bis Monate, besteht die Gefahr einer Chronifizierung.

Die chronische Bronchitis ist eine langanhaltende Erkrankung mit Entzündung der Atemwege. Hier spielt bei vielen Pferden zusätzlich eine allergische Komponente eine große Rolle. Es kommt zu einer übermäßigen Schleimproduktion und Schwellung der Schleimhäute. Zusammen führt dies zu einer Verengung bzw. Obstruktion der Atemwege. Bei einer chronischen Erkrankung kommt es langfristig zu einer Veränderung des Gewebes und schließlich dem Verlust des Flimmerepithels (einer speziellen Schicht der Schleimhaut), wodurch das Sekret nicht mehr aus der Lunge über die Trachea ausgeschieden werden kann.

Wie wird die Diagnose erstellt?

Die Diagnose Bronchitis wird nach einem ausführlichen Vorgespräch über die Symptome des Pferdes und einer gründlichen und umfassenden Untersuchung durch den Tierarzt gestellt. Um die Diagnose einer chronischen Bronchitis zu stellen ist in der Regel eine weiterführende Diagnostik inklusive einer Bronchoskopie notwendig, bei der zu dem Bildmaterial eine Spülprobe des in Bronchien und Luftröhre vorhandenen Sekrets gewonnen wird. In einem Labor wird die Zellzusammensetzung analysiert, anhand derer man die Diagnose festigen kann.

Welche Symptome hat ein Pferd mit Bronchitis?

Bei einer Bronchitis zeigt das Pferd ganz typische Symptome, die je nach Schwere der Erkrankung mehr oder weniger stark ausgeprägt auftreten können. Die meisten Pferde Husten sowohl in Ruhe als auch in Belastung, und befördern hierbei weißliches bis gelblich-grünes Sekret als Auswurf hervor, das durch die Nüstern abläuft. Die Pferde wirken matt oder sogar apathisch, fressen häufig schlechter und viele entwickeln Fieber bei der akuten Bronchitis. Durch die Schleimansammlung und geschwollene Schleimhäute sind die Luftwege verengt und häufig kann der Besitzer ein Atemgeräusch feststellen, das mit abheilen der Bronchitis wieder verschwindet.

Die chronische Bronchitis geht in der Regel ohne Fieber oder erhöhte Temperatur von statten. Häufig zeigen diese Pferde vermehrt Symptome im Winter, wenn die Pferde länger in der Box stehen und dort viel Staub einatmen. Viele Pferde bekommen auch in den Frühlings- und Sommermonaten Probleme. Hiervon sind insbesondere die Allergiker betroffen, die zu dieser Jahreszeit mit Pollen von Bäumen und Gräsern zu kämpfen haben.

Wie wird eine Bronchitis behandelt?

Bei einer akuten Bronchitis ist (Boxen-)Ruhe ganz wichtig. Übermäßige Belastung strengt den Organismus stark an und kann wie beim Menschen auch zu einem Schaden am Herzen führen. Der Tierarzt wird das Pferd mit einem Schleimlöser und bei Bedarf bei enggestellten Bronchien mit einem Bronchospasmolytikum versorgen. Bei einer bakteriellen Infektion wird er zusätzlich zu einer antibiotischen Therapie greifen. Um die Medikamente direkt an den Ort des Geschehens zu bringen, haben sich Inhaliergeräte für Pferde bewährt. Diese sind speziell auf die Luftwege und die Kopfform der Pferde angepasst und es gibt sie mittlerweile von verschiedenen Anbietern mit unterschiedlichen Modellen, Maskengrößen und als Akku- oder Stromgeräte.

Insbesondere bei Patienten mit chronischer Bronchitis hat sich das Inhalieren sehr bewährt, auch der regelmäßige Besuch in einer Solekammer trägt hier häufig zur Linderung der Symptome bei. Wichtig bei jeder Form der Bronchitis ist die staubarme Haltung und Fütterung. Diese Pferde sollten möglichst viel an der frischen Luft gehalten werden. Während des Mistens und Einstreuen von Box oder Liegefläche im Offenstall sollten die Pferde nicht im Stall sein. Außerdem hat sich hier langfristig eine staubärmere Einstreu als Stroh bewährt, wie zum Beispiel Leinstroh oder Holzspäne. Um den Staub im Raufutter zu binden, sollte das Heu entweder gewässert oder bedampft werden. Außerdem sollte es von guter Qualität und frei von Schimmel sein.

Wann und wie häufig muss der Tierarzt kommen?

Zeigt Ihr Pferd Symptome wie Husten, Auswurf und gegebenenfalls Fieber, sollten Sie es so schnell wie möglich einem Tierarzt vorstellen. Je früher eine Diagnose gestellt und die Erkrankung behandelt werden kann, desto schneller werden die Pferde im Allgemeinen wieder fit und regenerieren sich. Sollte trotz Therapie keine Verbesserung oder sogar eine Verschlechterung stattfinden, sollten Sie erneut Ihren Tierarzt zu Rate ziehen, ebenso wenn Ihr Pferd matt oder apathisch wirkt und immer wieder mit Fieberschüben zu kämpfen hat. Nach überstandener Infektion sollte Ihr Tierarzt eine abschließende Untersuchung durchführen und grünes Licht für den Beginn des Trainings geben.

Welche Hausmittel können eingesetzt werden?

Hausmittel sollten bei einer Bronchitis nur zusätzlich zur schulmedizinischen Therapie eingesetzt werden. Damit es keine unerwünschten Nebenwirkungen der Medikamente in Kombination mit den Hausmitteln gibt, sprechen Sie diesen Einsatz zuvor mit Ihrem Haustierarzt ab. Gerade bei Atemwegsinfektionen können diverse Kräuter zu einer schnelleren Genesung beitragen. Dazu zählen zum Beispiel Thymian, Spitzwegerich, Fenchel oder Süßholz aber auch Echinacea oder Hagebutten. Diese Kräuter dürfen allerdings nur eingesetzt werden, wenn es keine bekannten Allergien gibt. Damit die Pferde viel Flüssigkeit zu sich nehmen kann man ihnen auch einen Hustentee aus oben genannten Kräutern aufbrühen, ziehen lassen und nach dem Abkühlen über das Futter geben oder als Getränk anbieten.

Welche homöopathischen Mittel können eingesetzt werden?

Die Homöopathie kann man neben der Schulmedizin therapiebegleitend einsetzen.  Je nach Ursache für die Bronchitis kommen unterschiedliche Mittel in Frage. Hierzu gehören zum Beispiel Spongia, Drosera, Phosphorus oder Stricta pulmonaria. Um das passende Mittel auszuwählen erfordert es ein wenig Erfahrung und eine genaue Anamnese. Stimmen Sie eine entsprechende Therapie daher mit Ihrem Haustierarzt ab.

Wie lange dauert eine Bronchitis an?

Die Dauer der Erkrankung hängt maßgeblich von Ihrer Schwere und dem Verlauf ab. Bei einer akuten Bronchitis, die schnell behandelt wurde, liegt die Dauer im Allgemeinen bei 10 Tagen bis 3 Wochen. Bei zusätzlichem Vorliegen einer chronischen Erkrankung der Luftwege kann die Erkrankung bis zum vollständigen abheilen mehrere Wochen dauern.

Wie ist die Lebenserwartung bei einer chronischen Bronchitis?

Im Allgemeinen liegt die Lebenserwartung bei chronischen Erkrankungen im Durchschnitt etwas unterhalb der von Pferden, die vollkommen gesund sind. Je besser die Erkrankung im Griff ist, desto besser ist die Lebenserwartung des Pferdes einzuschätzen. Ein Pferd mit einer chronischen Bronchitis bleibt sein Leben lang ein Patient, bei dem ein striktes Haltungs- und Fütterungsmanagement eingehalten werden muss, ebenso die medikamentöse Therapie. Diese Pferde müssen gut beobachtet und bei den ersten Anzeichen der Verschlechterung therapiert werden.

Wie ansteckend ist die Bronchitis für den Menschen?

Die Bronchitis des Pferdes ist in den meisten Fällen viral bedingt. Die Viren des Pferdes, zum Beispiel die Influenzaviren, sind allerdings sehr wirtsspezifisch und können nicht vom Pferd auf den Menschen oder anders herum übertragen werden. Bei Bakterien kann es unter Umständen etwas anders aussehen. Gewisse Bakterien, wie Streptokokken und Staphylokokken können theoretisch auch auf den Menschen übertragen werden, spielen bei den meisten Patienten mit einer Bronchitis nicht die Hauptrolle. Unterm Strich bleibt zu sagen, dass bei einer Infektion ein gesundes Maß an Hygiene inklusive Hände waschen und desinfizieren vor einer Infektion schützen kann.

Was kostet die Behandlung?

Die Kosten für die Behandlung hängen von der Komplexität und Schwere der Erkrankung ab. Bei einer akuten Bronchitis mit ein oder zwei Besuchen des Tierarztes liegt man inklusive Medikamenten bei ca. 300-500 Euro.
Bei einer chronisch (obstruktiven) Bronchitis liegen die Kosten deutlich höher. Diese Pferde müssen kontinuierlich tiermedizinisch betreut werden und erhalten Medikamente nach Bedarf. Bei einer Bronchoskopie zur Sicherung der Diagnose muss man im Schnitt mit Kosten von ca. 500-1.000 Euro rechnen.

 

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