Nackenbandverkalkung

Bei der Nackenbandverkalkung handelt es sich medizinisch korrekt gesprochen um eine sogenannte „Insertionsdesmopathie des Nackenbandursprungs“. Das Nackenband (Ligamentum nuchae) ist ein am Hinterhaupt entspringendes, paarig angeletes Band, das über die Wirbelfortsätze der Halswirbel zieht und am Rücken in ein weiteres Band (Lig. Supraspinale) im Brust- und Lendenwirbelsäulenbereich übergeht. An der Ursprungsstelle des Bandes am Hinterhaupt kann es zu krankhaften Veränderungen wie Verkalkungen kommen. Man spricht von Insertionsexostosen.



Was sind Ursachen für eine Nackenbandverkalkung?

Die Ursache der Bildung einer Nackenbandverkalkung ist meist schwer nachvollziehbar. Enge Kopfhaltung beim Reiten junger Pferde, was zu wiederkehrenden Mirkrotraumen führt, oder Traumen wie Festhängen im Halfter oder Stürze über den Kopf können eine Prädisposition für eine Verkalkung sein. Am Hinterhaupt befinden sich sowohl knöcherne als auch knorpelige Strukturen, in die das Nackenband zieht. Eine Reizung des Nackenbands führt zur Reizung des Knorpels oder sogar zum Ausreißungen am Knochen. Bei der Reparatur dieser Läsionen verknöchert der knorpelige Anteil und es kommt zur Bildung der Insertionsexostose, welche auf dem Röntgenbild als „Knochenzubildung“ sichtbar ist.

Wie wird eine Nackenbandverkalkung diagnostiziert?

Bei Verdacht auf eine Nackenbandverkalkung durch klinische Symptome wird zunächst ein Röntgenbild erstellt, auf dem die knöcherne Zubildung sichtbar ist. Andersherum muss das Auffinden einer Verkalkung nicht zwangsläufig eine Krankheit mit klinischen Symptomen bedeuten. Um dies zu differenzieren, wird das Genick zusätzlich sonografisch (mit einem Ultraschallgerät) untersucht, um Weichteilschädigungen und Umbauprozesse besser beurteilen zu können. Zusätzlich kann eine Infiltrationsanästhesie (örtliches Betäuben) vorgenommen werden, welche den Schmerz an dieser Stelle ausschaltet. Bei verminderten Symptomen unter dieser Lokalanästhesie kann von einer klinischen Relevanz ausgegangen werden. Weitere diagnostische Abklärung kann mit Computertomografie (CT) oder Magnetresonanztomografie (MRT) stattfinden.

Welche Symptome hat ein Pferd mit Nackenbandverkalkung?

Pferde, die an einer klinisch relevanten Nackenbandsverkalkung leiden, zeigen vor allem beim Reiten Auffälligkeiten. Beim Abtasten des Genicks ist oft nichts festzustellen. In seltenen Fällen zeigt sich dabei eine punktuelle Druckempfindlichkeit. Beim Reiten schlagen die Pferde mit dem Kopf oder lassen sich nicht durchs Genick stellen, was zu Anlehnungsproblemen vor allem in versammelten Lektionen führt. Da das Nackenband in ein Band über dem Rücken übergeht, sind auch Rückenbeschwerden ein mögliches Symptom. Wichtig ist es, zwischen Schmerzen durch eine Erkrankung und Widersetzlichkeit des Pferdes gegen falsches Reiten zu differenzieren.

Wie wird eine Nackenbandverkalkung behandelt?

Zeigt das Pferd bei vorhandener Nackenbandverkalkung keine Symptome, benötigt es in der Regel auch keine Therapie. Bei einer klinisch relevanten Nackenbandverkalkung sollte das Pferd für mehrere Monate aus dem Reitsport genommen werden. Zusätzlich können verschiedene Behandlungen erfolgen: Quaddelungen mit Lokalanästhetikum und Traumeel, entzündungshemmende Medikamente (NSAISDs), Stoßwelle, Magnetfeld, Interferenzstrom sowie Physiotherapie und Akupunktur. Nach vollständiger Entspannung der Region kann das Training langsam aufbauend wieder begonnen werden.

Wie lange dauert eine Nackenbandverkalkung an?

Eine Nackenbandverkalkung kann durch ein einmaliges Trauma oder durch wiederkehrende Mikroläsionen entstehen, daher ist der zeitliche Verlauf unterschiedlich. Der Umbau des Knorpels zu einer Verkalkung dauert einige Wochen. Es kann nur der Umbauprozess schmerzhaft sein oder eine Reizung an der Zubildung entstehen. Wichtig für eine gute Langzeit-Prognose ist, dass dem Pferd ausreichend Zeit zur Rekonvaleszenz gegeben wird. Bis sich die Region vollständig beruhigt hat, kann es acht Wochen bis zu vier Monaten dauern. Diese Zeit sollte man dem Pferd aber auf jeden Fall zugestehen. Dann ist die Prognose in der Regel günstig.

In der Aufbauphase ist auf ein korrektes Reiten und Longieren zu achten! Die Befunde im Röntgenbild sind jedoch unter Umständen lebenslang sichtbar, auch wenn keine klinische Relevanz besteht.

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