Kreuzverschlag

Beim Kreuzverschlag, auch Belastungsmyopathie oder Feiertagskrankheit genannt, handelt es sich um eine Muskelerkrankung beim Pferd. Sie tritt oftmals auf nachdem das Pferd einen oder mehrere Tage im Stall stand und geruht hat. Besonders betroffen ist in der Regel die Kruppenmuskulatur des Pferdes.



Welche Ursachen kann ein Kreuzverschlag haben?

Es gibt zum einen eine spontane Form des Kreuzverschlages, zum anderen eine chronische Form, der eine Grunderkrankung zugrunde liegt.

Die spontane Belastungsmyopathie kann beispielsweise bei zu schneller Trainingsumstellung, hohen Temperaturen (oder anderen extremen Außenbedingungen) oder auch bei nicht dem Trainingszustand angepasstem Training auftreten. Insbesondere bei gut trainierten Pferden, welche relativ große Mengen Kraftfutter bekommen, kann es bei einer kurzen Trainingspause zum Kreuzverschlag kommen.

Der chronischen Form liegen wie bereits erwähnt in der Regel andere Grunderkrankungen wie zum Beispiel PSSM (= Polysaccharid-Speicher-Myopathie) zugrunde.

Kann Kälte ursächlich für einen Kreuzverschlag sein?

Bei Kälte sollten Pferde besonders gut aufgewärmt werden, um die Muskeldurchblutung anzuregen. Nur dadurch kann der Muskel mit ausreichend Sauerstoff versorgt werden und eine übermäßige Laktatproduktion kann verhindert werden. Oft ist es auch der Fall, dass Pferde vor allem im Winter, d.h. bei Kälte, deutlich mehr und länger im Stall stehen als in den restlichen Jahreszeiten. Wenn die Tiere dann nicht ausreichend bewegt werden und trotzdem eine große Kraftfutterration bekommen, begünstigt dies ebenfalls einen Kreuzverschlag, wobei der Hauptgrund in diesem Fall nicht die Temperatur ist, sondern die erhöhte Kohlenhydratzufuhr.

Welche Symptome hat ein Pferd mit einem Kreuzverschlag?

Die Symptome eines Kreuzverschlages können unterschiedlich stark ausgeprägt sein und sind teilweise sogar rasseabhängig. Es kann zu Bewegungsunlust oder gar Bewegungsunfähigkeit kommen sowie zu schmerzhafter, harter Muskulatur. Dies tritt insbesondere kurz nach Beginn der Arbeit auf.

Weiterhin kann es sein, dass die Pferde keinen Appetit haben und entsprechend nicht fressen wollen. Teilweise liegen die Tiere mehr als normal und es kann zum Festliegen kommen. Zudem kann auch vermehrtes Schwitzen ein Symptom des Kreuzverschlages sein. Ebenfalls kann es zu Tachypnoe (= Atmung zu schnell) und/oder Tachykardie (= zu schneller Herzschlag) kommen. Außerdem kann der Harn des Pferdes rötlich-bräunlich verfärbt sein (= Pigmenturie).

Einige Tiere zeigen jedoch auch nur einen geringgradigen Leistungsmangel! Besonders oft betroffen von einem Kreuzverschlag sind einige Kaltblüter sowie Quarter Horses oder Appaloosas (einige besitzen einen Gendefekt und entwickeln dadurch eine PSSM).

Wie wird ein Kreuzverschlag diagnostiziert?

Die Diagnose der Muskelerkrankung wird vom Tierarzt gestellt. Oft kann dieser schon anhand des Vorberichts sowie der typischen Symptome eine Verdachtsdiagnose stellen. Oft wird auch noch eine Blutprobe und/oder Urinprobe genommen.

Außerdem wird er bei prädisponierten Rassen auch nach einer eventuellen Grunderkrankung suchen. Hierfür kann er insbesondere für die PSSM einen Gentest anordnen, bei welchem er durch eine Haar- oder Blutprobe herausfinden kann, ob es sich um eine PSSM Typ 1 oder 2 handelt. Beim ersten Typ handelt es sich um eine genetisch bedingte Erkrankung. Weiterhin kann er eine Muskelprobe (Biopsie) nehmen, dies kommt insbesondere für die PSSM Typ 2 in Frage. Weiterhin ist ein ausführlicher Vorbericht für den Tierarzt generell von großer Bedeutung.

Wie verändern sich die Blutwerte bei einem Kreuzverschlag?

Im Blut können die Muskelenzyme durch den vermehrten Abbau von Muskulatur ansteigen. Dies ist allerdings nicht immer zu sehen, insbesondere bei leichteren Formen (bspw. nur geringgradige Leistungsschwäche) kann dieses typische Bild ausbleiben.

Wann und wie häufig muss der Tierarzt kommen?

Wenn Sie bei Ihrem Pferd Symptome eines Kreuzverschlages bemerken, sollten Sie in jedem Fall sofort einen Tierarzt zu Rate ziehen. Nur dieser kann eine sichere Diagnose stellen und Sie bezüglich des weiteren Vorgehens beraten. Wie oft der Tierarzt kommen muss, hängt vom individuellen Fall ab und ist von verschiedenen Faktoren abhängig. So kommt es beispielsweise darauf an, was im speziellen Fall die Ursache ist, welche Therapien dadurch in Frage kommen und wie gut diese dann anschlagen.

Wie wird ein Kreuzverschlag behandelt?

Die erste Maßnahme bei einem akuten Kreuzverschlag sollte die Bewegungseinstellung sein. Weiterhin sollten die Tiere warm gehalten werden sowie die Möglichkeit zum Trinken haben. Der Tierarzt kann zudem die Nierenfunktion noch weiter mittels Infusion und Medikamenten unterstützen.

Liegt eine PSSM zugrunde, sollte langfristig auf eine kohlenhydratarme Fütterung mit Fetten als Engergielieferanten umgestellt werden. Hier sollte außerdem der Trainingsplan neu gestaltet werden, wobei Ihnen Ihr Tierarzt helfen kann.

Was ist bei der Fütterung zu beachten?

Bei der Fütterung ist darauf zu achten, dem Pferd allgemein möglichst viel Heu und wenig Kraftfutter (Kohlenhydrate!) zu geben. Natürlich brauchen insbesondere Pferde, die eine hohe Leistung zu erbringen haben, eine gewisse Menge Kraftfutter, jedoch sollte diese immer der aktuellen Leistung angepasst werden. Dies bedeutet, dass ein Pferd, welches einen oder mehrere Tage im Stall steht, immer eine deutlich reduzierte Kraftfutterration bekommen sollte.

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Kann man einen Kreuzverschlag homöopathisch behandeln?

Da es sich beim akuten Kreuzverschlag um einen Notfall handelt, der unbedingt vom Tierarzt behandelt werden muss, sollte in einem solchen Fall Homöopathie maximal als Zusatztherapie genutzt werden. Ist die kritische Phase überstanden, können homöopathische Mittel gut zur Unterstützung angewendet werden. In Frage kommen zum Beispiel Arnica, Phosphor oder Gnaphalium.

Wie lange dauert ein Kreuzverschlag an?

Der typische Verlauf ist jener, dass ein relativ gut trainiertes Pferd, welches dadurch eine relativ hohe Menge Kraftfutter bekommt, einen Tag bei unveränderter Fütterung beispielsweise in der Box steht und beim nächsten Training typische Symptome des Kreuzverschlages zeigt. Je nach Schweregrad dieser Symptome variiert die Dauer. Teilweise kann es bis zu einem halben Jahr dauern bis sich die Muskulatur vollständig erholt hat. Bei sehr schweren Fällen kann es sogar zum Tod des Pferdes führen.

Wann muss ein Pferd eingeschläfert werden?

Je nachdem welches Ausmaß der Kreuzverschlag bei einem Pferd hat kann es sein, dass dieses vom Tierarzt euthanasiert (= eingeschläfert) werden muss. Dies ist in der Regel aber nur bei sehr schweren Kreuzverschlägen der Fall. Auch schwere Kreuzverschläge können bei schneller Behandlung durch den Tierarzt abheilen, jedoch dauert dies lange. Bei stark dunkel gefärbtem Urin, starkem Schwitzen, schlechten Blutwerten und hochgradiger Steife oder Bewegungsstörungen der Hinterhand, kann es sein, dass der Tierarzt zu einer Euthanasie rät.

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Was kostet eine Behandlung bei einem Kreuzverschlag?

Die Kosten der Behandlung hängen vor allem vom Schweregrad des Kreuzverschlages ab, das heißt welche Behandlungsmaßnahmen vom Tierarzt vorgenommen werden müssen. In der Regel ist mit mindestens 100 Euro zu rechnen. Der Betrag kann schnell ansteigen, wenn der Tierarzt an einem Sonn- oder Feiertag kommen muss, zudem steht es ihm frei nach einem höheren Satz der Gebührenordnung abzurechnen.

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