Giardien

Was ist eine Giardieninfektion bei meiner Katze?

Giardien sind einzellige Darmparasiten, die über kontaminiertes Wasser oder Nahrungsmittel ihren Wirt infizieren und über den Kot ausgeschieden werden. Viele Tiere sind mit Giardien infiziert, ohne Krankheitssymptome zu zeigen.
Diese Tiere scheiden Giardienzysten aus, die für andere Tiere und auch den Menschen krankmachend sein können. Es braucht nur 10-100 Giardienzysten, um ein Individuum zu infizieren.


An diesen Symptomen erkenne ich, dass meine Katze an Giardien erkrankt ist

Hat eine Katze sich mit Giardien infiziert, zeigt sie in der Regel Magen-Darm-Beschwerden. Diese Magen-Darm-Symptomatik ist sehr unspezifisch und kann andere Gründe als eine Giardiose haben.

Haben Katzen sich mit einer Giardiose infiziert, leiden  sie meist unter akuten wässrigen und übelriechenden Durchfall, gelegentlich auch blutig. Der Durchfall kann aber auch mit Unterbrechungen auftreten oder chronisch sein. Besonders bei Jungtieren im ersten Lebensjahr, alten oder immunschwachen Katzen können die Symptome heftig ausfallen.

Lesen Sie mehr zu dem Thema: Meine Katze hat Durchfall

Weitere Symptome sind:

  • Erbrechen

  • Schmerzen im Bauchbereich

  • Gewichtsverlust

  • Dehydratation

  • Fettstuhl  

  • Fieber

Allerdings kann eine Infektion auch symptomlos bleiben, was die Tiere als Träger und Verbreiter der Giardien macht.

Lesen Sie mehr zu dem Thema:

 

Therapie

Wurde bei Ihrer Katze eine Infektion mit Giardien diagnostiziert, gibt es in Absprache mit ihrem Tierarzt zwei Medikamente, die für die Behandlung gegen Giardien eingesetzt werden können:

  • Panacur mit dem Wirkstoff Fenbendazol, ist ein Breitband-Wurmmittel (Anthelminthikum), welches auch gegen Giardien wirkt. Das Medikament gibt es in Form von Tabletten oder einer Paste. Man kann es mit dem Futter verabreichen oder in etwas Wasser auflösen und eingeben, bzw. unter das Futter mischen.

  • Spartrix ist ein Nitroimidazolderivat, ein im Darm wirksames Antibiotikum, das in Tablettenform über das Futter gegeben wird. Da Spartrix/Metronidazol einen sehr bitteren Eigengeschmack hat, sollte man die Tabletten nicht teilen. Katzen können auf den bitteren Geschmack mit starkem und schäumendem Speicheln reagieren.

Die konkrete Dosierung und Verabreichungsdauer des jeweiligen Medikaments bzw. deren Kombination, wird individuell vom Tierarzt angeordnet. Prinzipiell ist die korrekte Gabe und Anwendung dieser Medikamente Voraussetzung für einen Therapieerfolg.
Nach Abschluss der Therapie sollte mindestens eine Kontrolluntersuchung auf Giardien gemacht werden, um den Therapieerfolg zu bestätigen, bzw. um gegebenenfalls die Medikamentengabe anzupassen, falls noch Giardien nachgewiesen werden.

Spartrix

Spartrix ist der Handelsname eines Magen-Darm-Antibiotikums mit dem Wirkstoff Carnidazol. Carnidazol gehört zu der Wirkstoffklasse der Nitroimidazole. In Deutschland ist es nur für Brieftauben zugelassen. Wenn allerdings die für Katzen zugelassenen Medikamente keinen Behandlungserfolg erzielen, kann Spartrix umgewidmet werden und so auch die Giardien Infektion bei Katzen oder Hunden therapieren. Spartrix gibt es in Tablettenform und hat einen sehr bitteren Eigengeschmack.

Lesen Sie mehr zu dem Thema: Spartrix

Panacur

Panacur ist eines der bekanntesten Wurmmittel mit dem Wirkstoff Fenbendazol. Fenbendazol gehört zu der Klasse der Benzimidazole, die als Breitband-Anthelminthika eingesetzt werden. Panacur gibt es als Paste oder in Tablettenform mit unterschiedlicher Wirkstoff Konzentration. Panacur ist allerdings nicht zur Behandlung der Giardiose bei Katzen zugelassen. Heute weiß man, dass dieses Mittel aber auch bei Katzen Erfolge erzielen kann. Man sollte die Gabe mit dem Tierarzt absprechen. Wichtig ist hierbei, dass Panacur bei einem Giardien Befall anders dosiert und angewendet wird, als es bei der Verwendung einer gewöhnliche „Wurmkur“ eingesetzt wird.

In der Regel wird auch nach einer Therapie mit Panacur eine Kontrolluntersuchung auf Giardien beim Tierarzt oder im Labor durchgeführt um den Therapieerfolg zu bestätigen um einen erneuten Ausbruch der Giardiose zu vermeiden, wenn noch Parasiten vorhanden sind.

Lesen Sie mehr zu dem Thema: Panacur

Homöopathie

Homöopathisch hergestellte Arzneimittel werden nach dem Prinzip des Potenzierens hergestellt. Dabei werden die Wirkstoffe mit Wasser und Alkohol in mehreren Stufen immer weiter verdünnt. Das Wirkungsprinzip beruht auf den Einsatz der verdünnten Substanz, die auch Ursache der Erkrankung ist.
Bei einer Giardiose käme also nach diesem Prinzip der Einsatz einer Giardia lamblia Nosode in Frage. Nosoden sind homöopathische Präparate, die in diesem Fall aus krankmachenden Zellbestandteilen der Giardien gewonnen werden. Sie können oral in Form von Tropfen oder als Globuli eingenommen werden. Es kann bei einer Infektion unterstützend wirken.

Ursachen

Die Ursachen einer Infektion mit Giardien, auch Giardiose genannt, können sehr vielfältig sein. Prinzipiell gibt es zwei Entwicklungsstadien der Giardien: Die aktive Form, auch Trophozoiten genannt, die sich im Dünndarm explosionsartig vermehrt und an die Darmwand anheftet. Trophozoiten ernähren sich vom Darminhalt und können außerhalb des Darms nur wenige Stunden überleben.
Auf der anderen Seite steht das passive Dauerstadium, die Giardienzysten. Sie sind sehr resistent und können mehrere Monate in der Umwelt überleben. Hierbei handelt es sich um die Form, mit der sich die Katze ansteckt. Infizierte Tiere scheiden über 300.000 Giardienzysten pro Gramm Kot aus.

Die Giardienzysten werden direkt durch verseuchte Wasser aus Pfützen oder Seen oder indirekt über kontaminierte Gegenstände, wie z.B. Futternäpfe oder Kleidung, aufgenommen. 
Problematisch wird es, wenn kontaminiertes Wasser zur Bewässerung von Feldern oder zum Waschen von Gemüse verwendet wird, so können die Giardienzysten auch von Menschen aufgenommen werden.
Giardienzysten werden ausgeschieden, überdauern in der Umwelt, und werden schließlich von Wirtstieren wie Katzen und Hunden oral aufgenommen. Diesen Infektionsweg nennt man fäko-oral. Die Erkrankung einer Giardiose bei Menschen wird wegen der alten Bezeichnung Giardia Lamblia, Lambliasis oder Lamblienerkrankung genannt.

Diagnose

Eine Infektion mit Giardien kann man über verschiedene Untersuchungen sicher nachweisen. In der Regel wird eine Sammelkotprobe der Katze untersucht. Es werden kleine Mengen Kot der Katze über drei aufeinanderfolgende Tage in einem Röhrchen gesammelt und beim Tierarzt direkt untersucht oder zu einem Labor geschickt. Die üblichen Verfahren zur Diagnose sind:

  • ELISA Teststreifen oder Snaptests; sie weisen Koproantigene im Kot nach

  • Trophozoiten (die Entwicklungsstadien) können direkt über die Flüssigkeit im Dünndarm nachgewiesen werden

  • PCR (Polymerase Chain Reaktion) kann Giardien im Stuhl nachweisen

  • Flotationsverfahren schwemmt eine Kotprobe mit einer gesättigten Lösung auf, und kann die Giardien mikroskopisch mit Anfärbung darstellen

Prävention

Da infizierte Tiere viele Erreger ausscheiden, ist es wichtig täglich den Kot aus dem Katzenklo zu entfernen und idealerweise mit einem Dampfreiniger auszudampfen. Das Gleiche gilt auch für die übrigen Bereiche in der Wohnung, zu der die Katze Zugang hat: So sollten Textilien der Möglichkeit nach im Kochwaschgang gereinigt werden, Polster etc. könnnen abgedampft werden. Futter und Wassernäpfe sollten möglichst täglich ausgetauscht und gereinigt werden. Hierbei eignet sich Auskochen oder im heißen Spülgang in der Spülmaschine spülen. Wichtig ist, dass die Näpfe nach dem Spülgang genug Zeit haben, komplett zu trocknen.

Kann eine Giardieninfektion für meine Katze tödlich sein?

Prinzipiell kann eine akute und unbehandelte Giardiose für sehr junge oder sehr alte Katzen gefährlich werden und tödlich enden. Auch bei immunschwachen Katzen, ist die Giardiose ernst zu nehmen.
Bei Freigänger-Katzen fallen die ersten Anzeichen der Giardiose zum Teil nicht auf, da der anfangs breiige Kot vom Besitzer nicht wahrgenommen wird oder auf andere Ursachen bezogen wird.
Bis die Tiere schmerzhaft, mit Fieber und wässrigen Kot reagieren kann also etwas Zeit verstreichen. Therapiert man in diesem Stadium nicht sofort, wird die komplette Darmwand durch die Giardien zerstört und die Tiere sterben.

Dauer

Eine Giardieninfektion verschwindet in der Regel trotz Behandlung nicht ganz so schnell, man sollte mindestens mit ca. 14 Tagen rechnen. Es gibt verschiedene Behandlungsschemata, die an drei oder fünf aufeinander folgenden Tagen durchgeführt werden. Danach wird eine Behandlungspause eingelegt, um danach die Behandlung fortzusetzen.
Besonders Katzen neigen zu Re-Infektionen. Durch die Eingabe der Medikamente reduzieren sich die Symptome in der Regel sehr schnell. Das heißt allerdings nicht, dass die Parasiten alle bereits abgetötet wurden. Problematisch wird es, wenn die Therapie zu kurz durchgeführt oder gar abgebrochen wurde. Restbestände der Parasiten können so im Darm überdauern und eine Re-Infektion vorprogrammieren.
Auch kontaminierte Näpfe, Katzentoiletten oder andere Einrichtungsgegenstände können bei mangelnder Hygiene eine Reinfektion zufolge haben und somit die Dauer der Erkrankung verlängern.

Wie ansteckend ist das für den Menschen?

Die Infektion mit Giardien bei Hund und Katze ist für den Menschen ansteckend (zoonotisch). Nur wenige Giardien (ab 10) reichen für eine Infektion beim Menschen, der sogenannten Giardiasis oder Lambliasis, aus. Über Schmierinfektion oder kontaminiertes Wasser kann man sich infizieren.
Giardiasis ist die am häufigsten verbreitete parasitäre Darmerkrankung beim Menschen und ist meldepflichtig. Auch Fliegen können hier Überträger sein, wenn sie zuvor Kontakt mit kontaminiertem Kot hatten. Die Symptome zeigen sich zuerst mit Durchfall, Bauchkrämpfen, Appetitlosigkeit und Erbrechen.

Bei Kindern fallen die Symptome schwerer aus und können auch zu Mangelernährung bzw. Wachstumsstörung führen. Wichtig sind Hygienemaßnahmen mit heißem Dampf, Wäsche >60°C zu waschen und alle Tiere im Haushalt gegen Giardien gleichzeitig zu behandeln.