Knochenbruch beim Hund

Beim Knochenbruch spricht der Tiermediziner von einer Fraktur. Es handelt sich um eine Kontinuitätsunterbrechung von Knochen oder Knorpel, die entsteht, wenn eine einwirkende Kraft die Elastizität des Gewebes übersteigt. Man unterscheidet Quer-, Schräg- und Splitter- und Mehretagenfrakturen.
Bei Splitterfrakturen ist der Knochen an einer Stelle gebrochen und dort in viele Teile gesprungen, wohingegen bei der Mehretagenfraktur der Knochen an mehreren Stellen gebrochen ist. Bei einer Fissur handelt es sich um eine unvollständige Zusammenhangstrennung des Knochengewebes in Form eines Risses. Dieser wirkt oft unscheinbar, kann aber sehr schmerzhaft sein.


Diese Knochen brechen besonders häufig

Besonders häufig brechen beim Hund die dünneren langen Röhrenknochen. Dazu gehören am Vorderbein Radius und Ulna (entsprechend Elle und Speiche am Unterarm) und am Hinterbein Tibia und Fibula (entsprechend Schienbein und Wadenbein am Unterschenkel). Humerus (Oberarm) und Femur (Oberschenkel) gehören ebenfalls zu den langen Röhrenknochen, brechen aber aufgrund ihrer Stärke seltener. Außerdem häufig brechen Kiefer und Rippen. Dies geschieht vor allem beim Gerangel mehrerer Hunde oder bei Autounfällen.

Diese Knochenbrüche sind besonders schwierig zu behandeln

Einfache Knochenbrüche sind einfacher zu behandeln als keilförmige oder komplexe Knochenbrüche. Besonders schwierig sind Splitterfrakturen. Dazu kommt, dass Frakturen immer dann schwieriger zu behandeln sind wenn der Knochen gelenknah gebrochen ist und es eine Beteiligung des Gelenks gibt.

Ursachen

Die Ursachen für Knochenbrüche sind traumatisch, neoplastisch, nutritiv oder durch repetitiven Stress verursacht. Die häufigste Ursache ist wohl das Trauma. Schon ein Hängenbleiben in einem Loch beim Toben auf der Wiese kann einen Knochenbruch verursachen. Neoplastische Veränderungen wie Knochenzysten machen den Knochen instabil, sodass dieser schneller bei Belastung bricht. Wird der Körper nicht mit den ausreichenden Nährstoffen versorgt und sind die Knochen durch einen Nährstoffmangel porös, spricht man von einer nutritiven Ursache. Auch Hunde die dauerhaft unter Stress stehen haben ein höheres Risiko Knochenbrüche zu erleiden.

Diagnose

Die sichere Diagnose des Knochenbruchs stellt der Tierarzt anhand sogenannter „sicherer Frakturzeichen“. Zu diesen gehören abnorme Beweglichkeit der Gelenke, die durch vorsichtige Palpation festgestellt wird, sowie dabei auftretende Krepitationsgeräusche, die entstehen, wenn zwei Knochenfragmente übereinander reiben. Sichere Frakturzeichen sind außerdem von außen sichtbare Stellungsanomalien oder sichtbare Knochenfragmente sowie der Nachweis einer Frakturlinie im Röntgenbild. Die Diagnose kann vom Tierarzt also oft schon durch reines Anschauen oder Abtasten (Adspektion und Palpation) gestellt werden. Ist dies nicht möglich, sind Röntgenbilder das Mittel der Wahl. Bei komplizierten und schlecht einsehbaren Brüchen kann außerdem eine Computertomografie (CT) vorgenommen werden.

An diesen Symptomen erkenne ich, dass mein Hund eine Knochenbruch hat

Tatsächlich ist es für den Tierbesitzer oft schwierig einen Knochenbruch selbst sicher zu diagnostizieren. Klar möglich ist es bei offenen Frakturen, bei denen der Knochen freiliegt und der Bruch nach außen sichtbar ist. Bei weniger offensichtlichen Brüchen ist die Diagnose oft viel schwieriger. Die Hunde zeigen oft Schmerzen an den betroffen Stellen und lassen sich dort ungern berühren. Bei  stärkerem Druck äußert der Hund Schmerzlaute oder wird versuchen, Sie zu beißen. Daher sollte man bei der ersten Untersuchung seines Hundes sehr auf der Hut sein!

Auch die liebsten Hunde schnappen, wenn sie unter Schmerzen leiden! Auch zu starker Druck ist unbedingt zu vermeiden, da man als Laie Gefahr läuft beim Verschieben eines Knochenbruchs bisher noch intakt gebliebene Gefäße in der Umgebung des Bruchs zu verletzen. Um den Knochenbruch bilden sich häufig Hämatome oder Weichteilschwellungen.

Ist der Bruch an den Gliedmaßen, zeigt der Hund eine Lahmheit. Diese Symptome können jedoch nur auf einen Bruch hindeuten, sie kommen jedoch auch bei anderen Erkrankungen vor. Sicher ist der Bruch erst diagnostiziert, wenn Knochenfragmente oder Stellungsanomalien sichtbar sind oder man bei der Bewegung des gebrochenen Knochens abnormale Beweglichkeit oder Krepitationsgeräusche feststellt. Überlassen Sie dies im Zweifelsfall jedoch immer einem Tierarzt!

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Behandlung / Therapie

Je nachdem wie schlimm der Hund verletzt ist, kann es sein, dass zum Beispiel nach einem Autounfall die erste Priorität nicht der Knochenbruch sondern die Aufrechterhaltung der Vitalfunktion ist. Um den Knochenbruch herum können Gefäße verletzt sein und der Hund sich durch den Blutverlust im Schock befinden. Ist der Hund vom Allgemeinbefinden her nicht in Gefahr, wird die Fraktur geröntgt, um die weitere Vorgehensweise festzulegen.

Eine konservative Frakturversorgung mit einem Verband reicht meist bei einfachen Frakturen der langen Röhrenknochen aus. Die Fraktur kann außerdem extern oder intern fixiert werden. Von außen geschieht dies entweder mit einem Gipsverband, dem Cast, oder einer „Fixateur externa“, die ebenso wie Implantate in einer Operation verbracht wird. Bei der chirurgischen Frakturversorgung mittels einer Operation werden die gebrochenen Stücke durch Einbringung eines Implantats wieder miteinander verbunden. Immer weiter im Kommen sind minimalinvasive Operationsverfahren, bei denen nach dem Konzept der biologischen Osteosynthese die Knochen nicht mehr perfekt aneinander gebracht werden, um das umliegende Weichteilgewebe zu schonen.

So kann man die Heilung beschleunigen

Um möglichst schnell eine Heilung zu erzielen ist es vor allem wichtig, den Hund ausreihend zu schonen. Gerade unter Schmerzmittelgabe neigen Hunde dazu sich zu früh zu überanstrengen. Geben Sie dem Hund also nicht unnötig viel Schmerzmittel! Bewegung sollte kontrolliert an der Leine oder in Form von Physiotherapie vorgenommen werden. Gut entwickeltes Weichteilgewebe um den Bruch herum stabilisiert diesen zusätzlich.

Um den Knochenaufbau zu unterstützen ist eine ausgewogene Ernährung mit allen wichtigen Nähr- und Mineralstoffen wichtig. Lassen Sie Ihrem Hund aber auf jeden Fall die Zeit zu heilen und versuchen Sie nicht die Heilung unnatürlich zu beschleunigen – ein Knochenbruch braucht einfach seine Zeit.

Homöopathie

Knochenbrüche gehen meist mit einer Weichteilschwellung einher. Um diese zu reduzieren kann Arnica unterstützend gegeben werden. Auch wilder Rosmarin (Ledum) ist hierfür geeignet. Silicea aktiviert den Mineralstoffwechsel und Calcium unterstützt den Knochenzuwachs.  Gut für die Knochen sind außerdem Pulsatilla, Causticum, Acidum, Symphytum und Rhus toxicodendron.

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Heilungsdauer

Bei einem konservativ behandelten Bruch sollte die erste Nachkontrolle nach drei Tagen erfolgen. Zu diesem Zeitpunkt ist die Weichteilschwellung um den Bruch herum meist schon deutlich zurückgegangen und der Verband muss an diese neuen Bedingungen angepasst werden. In den folgenden 6-8 Wochen sollte der Verband weiterhin einmal pro Woche gewechselt werden.

Alternativ wird nach Rückgang der Weichteilschwellung ein sogenannter Cast angelegt. Dieser entspricht in etwa einem Gips beim Menschen. Er muss nur alle drei Wochen gewechselt werden. Reicht eine konservative Therapie nicht aus, muss der Knochen in einer Operation mit verschiedenen Implantaten fixiert werden. Wenn das Implantat sich nicht entzündet oder lockert, kann es lebenslang im Hund verbleiben. Nach einer operativen Fixation ist der Hund oft schon etwas früher wieder voll belastbar.

Prognose

Um die Prognose für einen Bruch besser stellen zu können, gibt es eine Bewertungsskala für Frakturen, den „fracture assessment score“. In diesen wurden mechanische, biologische und klinische Faktoren eingebunden. Die Prognose ist bei jungen Hunden besser als bei alten, da die Knochen junger Hunde noch im Aufbau sind und somit schneller wieder zusammen wachsen.

Kleine Hunde heilen oft besser als große, da sie die Fraktur durch das geringere Gewicht weniger belasten. Je besser der Gesundheitsstatus des Hundes ist, desto wahrscheinlicher ist eine schnelle Heilung. Selbstverständlich ist die Prognose umso besser je weniger Verletzungen der Hund insgesamt hat. Eine Querfraktur mit Kompression hat in der Regel eine gute Prognose, ebenso wie rekonstruierbare Frakturen. Nicht rekonstruierbare Splitterfrakturen dagegen haben eine schlechte Prognose.

Kosten für die Behandlung

Anders als vielleicht zu erwarten kann man nicht unbedingt davon ausgehen, dass eine konservative Behandlung immer günstiger ist als eine Operation. Behandelt man seinen Hund konservativ und führt wöchentlich Verbandswechsel durch, ist diese Behandlungsmethode kostentechnisch oft mit einer Operation vergleichbar. Die Kosten setzen sich zunächst zusammen aus den Untersuchungen, die durchgeführt werden müssen. Die Eingangsuntersuchung kostet zwischen 15 und 40€, jede Folgeuntersuchung kostet zwischen 10 und 35€. Jedes Röntgenbild kostet zwischen 20 und 95€. Jeder Verbandswechsel kostet zwischen 5 und 25€, ein Gipsverband kostet zwischen 50 und 150€. Konservative Frakturbehandlungen kosten zwischen 40 und 230€, operative Frakturbehandlungen kosten zwischen 200 und 1.500€.