Demenz beim Hund - Das müssen Sie wissen

Die Demenz beim Hund oder auch Hunde-Alzheimer genannt, wird medizinisch als kognitives Dysfunktionssyndrom oder auch als senile-Demenz bezeichnet. Sie gehört zu den altersbedingten Erkrankungen, die sich auf die kognitiven Fähigkeiten des Hundes auswirkt.

Hierbei verändern sich Verhalten oder Gewohnheiten eines Hundes, die im Frühstadium dieser Erkrankung nicht von Veränderungen durch den normalen Altersprozess zu unterscheiden sind. Die Diagnose Demenz lässt sich daher meist erst im fortgeschrittenen Stadium stellen.


Ursachen

Rein äußerlich betrachtet, ähnelt die Demenz des Hundes, bzw. das kognitive Dysfunktionssyndrom, auch der Demenz, wie sie bei uns Menschen vorkommt. Auch beim Hund kommt es zu Ablagerungen im Gehirn, die es in seiner Funktion einschränken. Allerdings lagern sich beim Hund nur

  • Lipofuszin oder
  • ß-Amyloid

im Gehirn ab, während die für die Demenz des Menschen typischen Ablagerungen modifizierter Proteine (sogenannte tau-Proteine), fehlen. Die Ursache für diese degenerativen Veränderungen im Gehirn ist bisher noch nicht bekannt, jedoch gibt es Theorien dazu, dass beispielsweise

den Prozess der Erkrankung fördern können.

Diagnose

Die konkrete Diagnose einer Demenz ist zunächst schwierig zu stellen, da sie von gesunden Ausfällen, die mit zunehmendem Alter zu erwarten sind, nur schwer abzugrenzen ist und auch anderweitige Krankheiten dafür ursächlich sein können. Ein oder zwei Auffälligkeiten reichen hierfür nicht aus, um die Diagnose stellen zu können.

Es wird sich in der Regel auf die

  • Desorientierung
  • Unruhe und
  • „Verwirrtheit“

der Hunde konzentriert. Auch das Verlernen leichter Kommandos, Nichtreagieren des Hundes auf Rufen oder das Ausbleiben der gewohnten Begrüßung durch den Hund erhärten den Verdacht auf eine Demenzerkrankung.

An diesen Symptomen erkenne ich, dass mein Hund an Demenz erkrankt ist

Die klinischen Symptome dieser Erkrankung sind nicht immer konkret einer Demenz zuzuordnen bzw. von den normalen degenerativen Prozessen im Alter abzugrenzen.

In der Regel wandern Hunde ziellos umher, „verirren“ sich zwischen Möbeln oder bleiben vor Wänden stehen und starren ins Leere. Aus diesen Situationen schaffen sie es dann nicht ohne fremde Hilfe heraus.
Auch zeigen sich Verhaltensänderungen wie etwa Stimmungsschwankungen oder es ändert sich die Beziehung zwischen Hund und Bezugsperson. Ein veränderter Schlafrhythmus, nächtliche Unruhe und Stubenunreinheit (der Hund ist nicht mehr in der Lage zu signalisieren, dass er sich lösen muss) sind charakteristisch für diese Erkrankung

Unruhe

Demente Hunde sind zunehmend unruhig, besonders nachts schlafen sie nur noch wenige Stunden und laufen winselnd und stark hechelnd umher. Oft machen sie einen allgemein verwirrten Eindruck, da sie ihre Futter- bzw. Trinknäpfe nicht mehr finden und ziellos durch die Wohnung wandern. Dann kann es durchaus passieren, dass die Hunde hinter Möbeln oder vor einer Wand stehen bleiben und dort so lange bleiben, bis man sie dort findet und aus dieser misslichen Lage „befreit“.

Neben dieser Unruhe zeigt sich den Besitzern Demenz-erkrankter Hunde oft ein minutenlanges „in-die-Leere-starren“ wie in Trance.

Nächtliche Unruhe

Durch einen veränderten Schlafrhythmus schlafen betroffene Hunde nachts nur noch wenige Stunden und kompensieren ihren Schlafmangel den Tag über und schlafen dadurch mehr und länger. Besonders bei Dämmerung oder Dunkelheit wirken sie rastlos und unruhig. Dies äußert sich durch zielloses umherwandern, hecheln und winseln.

Wann muss ich zum Tierarzt?

Da die Ursache für die Symptome einer Demenz-Erkrankung des Hundes auch andere, ernstzunehmende Krankheiten sein können, ist eine vollständige Untersuchung des Hundes beim Tierarzt unerlässlich. Diese Erkrankungen müssen zunächst ausgeschlossen werden.

Zwar ist eine Demenz nicht heilbar, prinzipiell gilt jedoch, wer eine Demenz frühzeitig im Verdacht hat und behandeln lässt, hat die Chance den Verlauf der Erkrankung über spezielle Medikamente, eine auf die Erkrankung angepasste Ernährung u.v.m. zu verlangsamen.

Behandlung / Therapie

Die Erkrankung "Demenz" bzw. des kognitiven Dysfunktionssyndroms ist nach aktuellem Stand der Wissenschaft nicht zu heilen, kann aber durch gewisse Unterstützung die Einschränkung der Tiere lindern. Die Behandlung einer Demenz setzt auf eine vielseitige Therapie, die sich aus mehreren Faktoren zusammensetzt:

  • zum einen werden Medikamente zur Förderung der Durchblutung (z.B. Karsivan®) verabreicht, die dadurch die Sauerstoffversorgung optimieren. Mittels Monoaminooxidase-(MOA-)Hemmer Seligilin (Selgian®) wird die Gehirnleistung stabilisiert, weil dieser Wirkstoff hilft, die Botschaften im Gehirn besser weiterzuleiten. Außerdem schützt dieser Wirkstoff das Gehirn vor schädlichen Stoffen.
     
  • Neben der medikamentösen Unterstützung ist auch der Besitzer gefragt, um mittels sogenannter Verhaltenstherapie den Alltag des Seniors neu zu gestalten. So können beispielsweise Routenänderungen für die täglichen Spaziergänge oder kleine Lernspiele oder Trainings die kognitive Leistung des Hundes fördern.
     
  • ​​​​​​​Auch mittels Fütterung (z.B. mit Hills b/d) kann man diese neue Lebenssituation unterstützen und speziell auf die Bedürfnisse dementer Hunde eingehen, um das Fortschreiten der Erkrankung zu verlangsamen.

Leider kann man eine Demenz weder vorbeugen noch heilen, daher ist besonders wichtig, dass der Hundehalter seinen Hund auch im Alter geistig fordert und die Fütterung mit fortschreitendem Alter (ca. mit dem 7.-8. Lebensjahr) anpasst.

Homöopathie

Für den geriatrischen, dementen Hund kann man aufgrund der Komplexität dieser schweren und unheilbaren Erkrankung keine bestimmten Homöopathika allein empfehlen. Die individuelle Unterstützung sollte daher durch einen fachkundigen Tierheilpraktiker erfolgen. Neben der Homöopathie haben sich folgenede Stoffe bewährt:

  • Schüßlersalze
  • Phosphatidylserin
  • Ginkgo biloba und
  • Coenzym Q10

Wann muss mein Hund eingeschläfert werden?

Ein Hund mit Demenz wird im Endstadium zum absoluten Pflegefall, weil er auf die intensive Betreuung und Pflege seines Besitzers rund um die Uhr angewiesen ist.

Zeigt der Hund sich apathisch und nimmt nicht mehr an seiner Umgebung teil oder ist derart orientierungs- und hilflos, da er beispielsweise seinen Besitzer nicht mehr erkennt, sind dies sind nur einige Beispiele, wann die Zeit gekommen ist, darüber nachzudenken, ihn einschläfern zu lassen. Einige Hunde reagieren auch aggressiv auf ihre Besitzer, weil sie diese nicht wiedererkennen.

Wann der Moment der Entscheidung kommt, liegt in der Verantwortung des Besitzers. Nur er kennt seinen Hund am besten und kann seine Lebensqualität individuell am besten einschätzen. 

Lesen Sie mehr zu diesem Thema in dem Artikel: Einschläfern des Hundes

Welche Lebenserwartung hat ein Hund mit Demenz?

Leider ist das kognitive Dysfunktionssyndrom bzw. die Hunde Demenz nicht heilbar und verschlechtert sich mit zunehmender Zeit. Man spricht dann von einem sogenannten progressiven Geschehen. Wie lange ein Hund mit der Demenz noch mit adäquater Lebensqualität weiterleben kann, hängt von dem Zeitpunkt ab, wann die Diagnose gestellt wurde und inwieweit die Erkrankung bereits fortgeschritten ist.

Wann es Zeit ist zu gehen, hat letztendlich der Besitzer zu entscheiden.

Kosten für die Behandlung

Da eine Demenz weder zu heilen noch aufzuhalten ist, gilt es diese Erkrankung möglichst zu verlangsamen.

Dafür sind die Medikamente Karsivan® und Selgian® erhältlich, die nach Körpergewicht dosiert werden.

  • Karsivan 50 mg ist ab 18,30 €, Karsivan 100 mg ab 30 € erhältlich, Selgian® 10 mg ab 52,44 € erhältlich.

Entscheidet man sich außerdem noch für ein Spezial Futter für alternde Hunde, wie etwa das Hill’s Prescription Diet Canine b/d (z.B. 12kg Futtersack, ca. 56,90 €), kommen diese Kosten neben möglicherweise zusätzlich anfallender Tierarztbesuche noch hinzu.